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Betender MannIn unserer Pfarre ist heute Familiengottesdienst. Einige engagierte Frauen möchten besonders Familien mit kleinen Kindern ansprechen. Vielleicht gelingt es, vielleicht auch nicht.

Ich selbst bin bei diesem Gottesdienst nicht dabei. Statt dessen komme ich dem inneren Widerstand auf die Spur, der sich in mir regt und der Frage: Wir wäre es mit einem Christentum für Große?

Wie lernen Kinder, einer Sache zu vertrauen? Indem sie sehen, dass auch die Eltern Vertrauen leben. Das Christentum ist eine ernsthafte Angelegenheit. Ich glaube nicht, dass man das Evangelium in eine kindliche Sprache übersetzen kann. Es ist zu radikal, zu erwachsen, zu eindeutig adressiert an große Menschen, nicht an Kinder.

Eltern gehen vor – die Kinder folgen

Wenn Eltern den Weg des Glaubens gehen, einen spirituellen Weg, einen Weg des Vertrauens, dann werden die Kinder folgen. Nicht didaktisch gut gemeinte Kindergottesdienste sind der Weg, nur das Vorbild der Eltern kann Kindern zeigen, dass gelebtes Christentum fester Boden ist. Unsicherheit oder Nachlässigkeit der Eltern im Glauben macht alle Bemühungen zunichte, die sich Gestalter von Kindergottesdiensten machen.

Der Glaube wird von einer Generation an die nächste weiter gegeben. Ich habe den Eindruck, dass heute versucht wird, eine Generation zu überspringen, die Generation jener, die heute Eltern sind. Als wollte man sie aus der Verantwortung nehmen. Das wird nicht funktionieren.

Kinder leben kindlichen Glauben, aber die Kirche ist erwachsen

Kinder reifen heran und lernen von der Wirklichkeit, die sie umgibt. Der Glaube des Kindes wird kindlich sein, was sonst! Aber die Glaubenswelt, in die das Kind hineinwachsen soll, die darf nicht kindlich sein. Die muss erwachsen sein, ernsthaft, konsequent und reif. Eine solche Kirche brauchen Kinder als Zielpunkt, zu dem sie sich hinorientieren können. Wenn wir es uns auch noch so sehr wünschen: Wir können unsere Kinder nicht zum Glauben hintragen, sie müssen selbst gehen.

Der hohe Stellenwert des Kindes in unserer Gesellschaft führt meiner Meinung nach zum Problem der Infantilisierung von Kirche und Welt. Ich wünsche mir auf keinen Fall Zeiten zurück, in denen ein Kind nichts gegolten hat – gut, dass Dominanz und Gewalt immer stärker aus unserer Gesellschaft verdrängt werden! Aber die Welt muss erwachsen sein und werden. Reif und reflektiert. Dann ist sie auch kindgerecht.

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Vater unser

vaterunserEs ist sicher das von Christen am häufigsten gesprochene Gebet: Das Vater Unser. Jeden Tag wird Gott darin millionenfach angesprochen, meist routiniert und achtlos, aber sicher auch oft aus tiefstem Herzen.

Stolpernd beten

Wenn ich das Vater unser spreche – alleine und außerhalb des Gottesdienstes – dann kann das dauern. Manchmal passiert es mir, dass ich durch das Gebet durchstolpere, weil ich nicht gewappnet bin gegen die Flut an Gedanken und Bildern, die über mich bei einzelnen Zeilen hereinbrechen. Dann warte ich kurz, lass meine Gedanken setzen ohne sie zu bewerten und spreche weiter.

Die Worte des Vater Unser fallen manchmal auf fruchtbaren Boden, manchmal weniger. Sie betreffen aber immer meine Gegenwart, in die ich sie hereinhole und die ich im Licht dieses Gebetes betrachte. Und dieses Licht ist meist ein „ganz anderes“.  Beim Beten des Vater Unser funktioniert mein Gewissen. Wenn ich spreche: „erlöse uns von den Bösen„, dann brauche ich nicht großartig herum zu interpretieren. Denn in diesem Moment ist meist ganz klar, was mit dem Bösen gemeint ist. Es steht dann klar vor mir, ich kann es sehen.

Wenn es das Vater unser nicht gäbe…

Ich glaube, dass das Bestehen der Kirche und des Christentums ganz eng mit dem Vater Unser verknüpft ist. Hätte Jesus uns dieses Gebet nicht mit auf den Weg gegeben, wäre seine Botschaft verloren gegangen. In Jahrhunderten, in denen die Frömmigkeit der Massen auf Aberglauben, Rituale und wenige Texte beschränkt war, gewährleistete das Vater Unser, dass der Kern des Evangeliums unverfälscht erhalten bleibt.  Im Vater Unser konnte sich zu allen Zeiten Jesu Botschaft erschließen. Seine Autorität stand und steht immer weit über jener der (Amts-)Kirche – es macht uns alle zu gleichen Kindern des einen Vaters.

Geordnete Beziehungen

Ich bewundere immer, wie wunderbar das Vater Unser unsere Beziehung zu Gott und unsere Beziehungen untereinander ordnet. Im Geiste dieses Gebetes zu handeln heißt immer, richtig zu handeln. Ich kann mich darauf verlassen. Das Gute, das daraus entspringt, ist offensichtlich und muss nicht gedeutet werden. Mir fällt immer wieder auf, wie durch das Vater Unser die richtige Verhältnismäßigkeit zwischen Dingen, Menschen und Gott hergestellt wird. Alles kommt an seinen Platz.

Nahe am Vater Unser zu leben bedeutet, dem Weg zu folgen, den Jesus zu einem guten Leben gewiesen hat.

Wer ernsthaft ein „gutes“ Leben führen möchte, der hat es machmal wirklich nicht leicht. Dabei meine ich gut nicht unbedingt in moralischem Sinn. Geordnet und ausgewogen trifft das, was ich ausdrücken möchte, deutlich besser.

Auf die „losen Enden“ achten

David Allen hat eine Methode entwickelt, die dabei helfen soll, sein Leben zu organisieren. Er nennt sie „Getting things done“ – und er spricht in seinen Büchern von losen Enden, also von Dingen, die man als „nicht erledigt“ in seinem Denken mit sich herumschleppt. Und mit diesen losen Enden schlage ich mich gerade herum – es sind so viele, manchmal zu viele.

Der Vorschlag von Allen: ALLES zusammentragen und Abarbeiten 😉 –> das ist natürlich jetzt viel zu verkürzt und klingt noch nicht recht außergewöhnlich oder gar innovativ, aber ich gehe nicht näher darauf ein und verweise auf sein Buch „Wie ich die Dinge geregelt kriege„. (Bitte unbedingt beim örtlichen Buchhandel kaufen 🙂

Aber das Ziel, von dem Allen spricht, das zeigt mir schon, wohin die Reise gehen muss, wenn ich nicht im Sumpf der nicht abgeschlossenen Projekte meines Lebens stecken bleiben oder gar versinken will – der wasserklare Geist.
Was für ein schönes Bild, vor allem wenn man sich in dieser heißen Jahreszeit kühles Bergquellwasser vorstellt, das sich in einem Bergsee sammelt. Es verspricht Ruhe und Gelassenheit und die Fähigkeit, die Dinge seines Lebens zu ordnen – in einem ganz einfachen Sinn.

Mein Vorsatz für die nächste Zeit ist, meine losen Enden zu sammeln und in kleinen Schritten einzuweben in mein Leben. Auf das Bild, das sich am Ende ergibt, darauf bin ich schon sehr gespannt…

Das Leben der Anderen…

Das Leben der Anderen nimmt einen unglaublich großen Anteil in meinem eigenen Leben ein – und ich vermute, das geht nicht nur mir so. Da ist zum Beispiel das Fernsehen, über das man sich in Welten anderer Menschen hineinbegibt, meistens erzählter Menschen, denen dadurch, dass sie Fiktion sind, der umfassende Kontext fehlt, den niemand erfinden kann. Aber man spürt das, die Kunstfigur ist reduziert auf die Einschätzung des Erzählers, was relevant ist und was nicht.
Ein anderes Beispiel: das Reden über Dritte. Das Entwickeln von Angelegenheiten von Menschen, die wir wenig kennen, beansprucht häufig unser ganzes phantastisch-kreatives Potenzial. Dieses Leben der Anderen übt eine gewaltige Faszination aus – Warum?

Ich denke, der wichtigste Punkt, der in der Beantwortung dieser Frage zu nennen ist, ist jener des Ausweichens und der Verdrängung. Indem ich mich mit tatsächlichen oder erfundenen Probleme anderer Menschen beschäftige, lenke ich mich von eigenen ab. Es verlangt viel Disziplin, bei dem zu bleiben, was mich persönlich angeht und betrifft, was von mir persönlich zu lösen ist. Probleme von anderen bedürfen nicht einer Lösung durch mich, ich mich kann also ganz unbelastet auf das Problem fixieren, es entsteht kein Defizit. Bliebe ich hingegen bei mir und meinen eigenen Herausforderungen, stünde diese über das Problem hinausweisende Perspektive – nämlich seine Lösung – wie ein riesiger Elefant im Raum, nicht bereit, kleiner zu werden oder ganz zu verschwinden.

Wie aber lebe ich mein eigenes Leben?
Meine Antwort auf diese Frage ist ebenso einfach formuliert wie schwierig umzusetzen: Ich lebe mein eigenes Leben, indem ich Dinge tue, die Substanz respektive Relevanz haben. Die eine Bedeutung für mich und mein Leben haben. Nicht nichtige Dinge tun sondern reale. Damit meine ich keineswegs besonders bedeutende Angelegenheiten, nichts Großartiges. Im Gegenteil, ich beginne im ganz Kleinen und lande – wieder einmal – bei der Achtsamkeit. Dieses Mal ganz besonders im Sinne des Bei-Mir-Bleibens. Im Beobachten meiner selbst, dessen, was in mir und in meiner unmittelbaren Umgebung vor sich geht. Und beim für mich bedeutsamen Tun, beginnend beim Atmen über die Bewegung bis hin zum Schreiben dieser Zeilen.

In meinem Leben geht es zur Zeit ordentlich rund! Wir bauen wieder einmal einen Teil unseres Hauses um, der Beruf fordert, die Kinder auch, das Ende der Ferien rückt näher und damit die Umstellung auf den Alltagsrhythmus, der den Großteil unseres Jahres prägt. Ich habe so viel zu tun, dass ich gar nicht weiß, welcher Sache ich mich als erstes zuwenden soll – und dann ist heute auch noch Sonntag!

Dieser Sonntag ist mir heute fast im Weg. Er baut sich vor mir auf und „verbietet“ mir, meine Aufgabenliste weiter abzuarbeiten. Und da stehen doch so wichtige Dinge drauf. Denn morgen früh kommt der Fliesenleger, da muss alles vorbereitet sein, wir müssen einen wichtigen Bericht im Lauf des Tages bei einem Kunden abliefern und, und, und…

Andererseits: Wenn ich diesen Damm jetzt brechen lasse dann bedeutet das, der heutige Tag wird ungefähr so werden wie der gestrige, voll Arbeit und Beschäftigung. Und es würde auch bedeuten, dass ich bis zum nächsten Sonntag so weiter tun würde, ohne Atem Holen, ohne Innehalten.  Das wären dann also 14 Tage ohne Pause – verbunden mit der Möglichkeit, auch nächsten Sonntag vor genau der gleichen Entscheidung zu stehen – denn die Vermutung liegt nahe, dass auch in sieben Tagen wichtige Aufgaben und Erledigungen anstehen.

Jetzt – im Zuge dieses Schreibens – habe ich mich entschieden, heute, an diesem siebten Tag, zu ruhen. Die Möglichkeit war vor fünf Minuten noch ganz real, jetzt habe ich sie verworfen. Ich werde den Tag des Herrn heiligen, Achtsamkeit pflegen und mich regenerieren. Die Tatsache, dass ich im Moment nicht aus dem letzten Loch pfeife bedeutet ja nicht, dass ich mich schnellstmöglich in diesen Zustand versetzen sollte, oder?

Wir haben seit Jahren eine tolle Kaffeemaschine. Auf Knopfdruck kriegen wir kleinen oder großen Mokka, kleinen oder großen Verlängerten und seit unserem letzten Italienurlaub nutzen wir auch noch die Cappuccinofunktion und sind begeistert! Und nun – wie aus dem Nichts – verweigert die Maschine uns den Dienst. Wir werden sie wohl heute oder morgen zur Reparatur bringen.

Das Ganze bringt einen charmanten Nebeneffekt mit sich: Seit ein paar Tagen koche ich wieder Kaffee. Mit einem Filterhalter und dem Wasserkocher. Ich koche Kaffee. Ich brühe Kaffee. Mir fällt Kommissar Wallander ein, den der Autor Henning Mankell immer wieder mal einen Kaffee kochen lässt. Das hat so etwas Tätiges. Gegenwärtiges.  Einer Sache, die üblicherweise nebenbei mitgeht, wird nun Achtsamkeit und Aufmerksamkeit zuteil. Und ja – ich genieße das. Wo ich doch immer auf der Suche nach Gegenwärtigkeit bin, finde ich sie nun ganz unvermutet in einem Häferlkaffee. Welche Ironie!

Ich hätte trotzdem gern meine Kaffeemaschine zurück. Aber die Erfahrung – und ist sie auch noch so bescheiden – werde ich mir bewahren, dass man Zufriedenheit in der Kaffeezubereitung finden kann.

Nach einer langen Pause…

Rund ein halbes Jahr lang habe ich nichts von mir hören lassen. Hatte einfach zu viel um die Ohren… Jetzt ist es besser. Ferien-Halbzeit. Ausatmen. Sich selbst mal wieder spüren. So ergeht es mir manchmal: Ich wache morgens auf  und fühle mich erholt und ausgeruht. Keine Ahnung, woher die innere Ruhe manchmal kommt, die sich in mir ausbreitet, aber ich nehme sie dankbar an.

Obwohl – eine Ahnung habe ich schon! Gestern bin ich auf den Lugauer gestiegen, einen Berg im Gesäuse. Es war anstrengend, das Wettter hat nicht ganz mitgespielt. Aber ich hab den Berg erlebt, ihn gespürt. Es war real und mächtig. Aus dem sicheren Tal hinauf auf den schmalen Grat und den Gipfel, das war ergreifend. Ich bin wunderbar über den Dingen gestanden und habe die Welt und das Dasein genossen. Die ganze Tour war eine Analogie für das Leben und offensichtlich noch ein bisschen mehr, wenn sie sich so positiv auf mein Wohlbefinden auswirkt. Ich erkenne, die Wanderung hat nicht mit dem Abstieg ins Tal geendet, erst später, vielleicht in einem Traum, den ich in der darauffolgenden Nacht hatte, vielleicht erst jetzt, wo ich noch einmal reflektiere und mir verspreche, bald wieder hinauszugehen, hinaufzugehen und die Dinge, die mein Leben bestimmen, für ein paar Stunden hinter mir zu lassen.